Das Obere Orkhontal - eine vorgeschichtliche Rituallandschaft

Die Kulturlandschaft Orkhontal mit ihren zahlreichen und berühmten historischen Stätten im Mittleren Orkhontal zählt zum UNESCO-Welterbe. Weniger bekannt sind die meist vorgeschichtlichen Grabanlagen im Oberen Orkhontal. Als Prof. Bemmann dort 2009 erstmals das Gräberfeld von Maikhan Tolgoi besuchte, faszinierten ihn die Lage an einem Bergriegel, der einen breiten Talabschnitt abriegelt und die einzigartige Dichte und Vielfalt der an der Oberfläche sichtbaren Gräber und Strukturen. Seither erforscht das Archäologische Institut der Universität Bonn diese faszinierende Rituallandschaft im Rahmen des Projektes: „Bioarchäologische Untersuchungen an Gräberfeldern des Oberen Orkhontales (BARCOR)“.

Blick entlang des Hügelrückens von Maikhan Tolgoi.  Im Vordergrund sichtbar sind einige Gräber. Bild vergrößern Blick entlang des Hügelrückens von Maikhan Tolgoi. Im Vordergrund sichtbar sind einige Gräber. (© Universität Bonn)

Die meisten Gräber wurden während der Bronze- und Älteren Eisenzeit angelegt (ca. 1600 – 400 v. Chr.). Das komplexe Nach- und Nebeneinander der Strukturen wird in der wissenschaftlichen Literatur mit sich konträr gegenüberstehenden Theorien erklärt. Zum einen werden die Monumente als Ausdruck einer (wachsenden) gesellschaftlichen Komplexität interpretiert, zum anderen als Strukturen, die die Gemeinschaft durch Teilnahme am Ritual stärken.

Uns interessiert vor allem, wie dieser Platz im Laufe der Zeit gewachsen ist. Wer hat zuerst Gräber an diesem Platz angelegt, wer wurde auf dem Bergrücken bestattet, wer am Hang oder in der Ebene, welche Regeln können wir feststellen und welche rituellen Handlungen haben die Bestattungen begleitet? Von der systematischen Erforschung der Ritualstrukturen, die meist zentrale Grabhügel von Khirigsuurs begleiten, sind Einsichten zu der Dauer und jahreszeitlichen Nutzung eines solchen Denkmals und zur sozialen Praxis und der Erinnerungskultur zu erwarten.

In Zusammenarbeit mit Das internationale Team säubert ein Grab. Bild vergrößern Das internationale Team säubert ein Grab. (© Universität Bonn) Anthropologen aus München versuchen wir, die Lebens- und Ernährungsweise sowie den Gesundheitszustand der Bestatteten zu rekonstruieren. Indem wir ein möglichst genaues Bild der Bevölkerungsgruppen zeichnen, erhoffen wir soziale oder andere Unterschiede sowie Veränderungen im Laufe der Zeit identifizieren zu können.

Weitere Aktivitäten des Archäologischen Instituts der Universität Bonn in der Mongolei siehe: https://www.vfgarch.uni-bonn.de/research-inner-asia

Partner: Mongolische Akademie der Wissenschaften, Institute for History and Archaeology http://history.mas.ac.mn/

Ludwig Maximilians Universität München, Biozentrum Martinsried http://www.archaeobiocenter.uni-muenchen.de/personen/mitglieder/grupe/index.html

Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München http://www.sapm.mwn.de/index.php/de/wissenschaftler/29-forschung/213-forschmcgly

Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) http://gepris.dfg.de/gepris/OCTOPUS?context=projekt&findButton=Finden&index=0&keywords_criterion=Bioarch%C3%A4ologische+Mongolei&nurProjekteMitAB=false&task=doSearchSimple

Das Obere Orkhontal - eine vorgeschichtliche Rituallandschaft

Schwerstarbeit wird bei der Entfernung einer Grabplatte geleistet.